Wasserverband Unteres Lafnitztal

50-Jahr-Feier des Wasserverbands Unteres Lafnitztal

28. August 2022

Geschäftsführer Richard Vettermann im Interview

50-Jahr-Feier des Wasserverbands Unteres Lafnitztal

Am Sonntag, dem 28. August 2022, feierte der Wasserverband Unteres Lafnitztal mit einem großen Fest in Heiligenkreuz sein 50-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass erzählt Geschäftsführer Richard Vettermann, wie sich der Grundwasserspiegel in den letzten Jahrzehnten verändert hat und wie man sich für einen Blackout rüstet.

Wie hat sich der Grundwasserspiegel in den letzten 50 Jahren in der Region verändert?

Bei der Betrachtung der Veränderungen muss zwischen den Tiefengrundwässern und den oberflächennahen Grundwässern unterschieden werden. Das Grundwasser aus den tieferen Horizonten – ab etwa 50 bis 300 Meter – ist vor bis zu 25.000 Jahren entstanden; die Entnahme erfolgt sehr schonend und nachhaltig, Grundwasserstände und Ergiebigkeit sind seit Errichtung der Brunnen gleichgeblieben. Anders bei den „jungen“ Grundwässern aus dem oberflächennahen Bereich: Diese sind stark von Klima und Niederschlag beeinflusst. Die langjährige durchschnittliche Niederschlagsmenge lag im Südburgenland bei rund 800 mm im Jahr; in den vergangenen Jahren ging sie stellenweise um bis zu 30 % zurück.

Wie wirken sich Hitzewellen auf den Wasserverbrauch aus?

Bei länger andauernden Hitzewellen steigt das Verlangen nach Abkühlung – durch häufiges Duschen oder Pools – und damit der Wasserverbrauch. Nicht zu unterschätzen ist die steigende Zahl an Bewässerungsanlagen. Rasenflächen müssen im Sommer nicht unbedingt bewässert werden; sinnvoll wäre es, die Bewässerung in die Nachtstunden zu verlegen, da tagsüber die Verdunstungsrate bis zu 50 % beträgt. Also: weniger und intelligenter bewässern!

Was können Endverbraucher tun?

Regenwasserauffangtonnen aufstellen, zu Hause Spararmaturen und moderne Spülkästen anbringen. Jeder Österreicher verbraucht durchschnittlich rund 120 bis 130 Liter Trinkwasser pro Tag, davon ca. 25–30 % für WC-Spülungen. Tropfende Wasserhähne verschwenden bis zu 5.000 Liter im Jahr. Und es gilt, sämtliche Formen von Wasserverlusten zu vermeiden – kleine Löcher von nur 1 mm an erdverlegten Leitungen bringen im Jahr Wasserverluste von über 500.000 Liter mit sich.

Was sind die größten Herausforderungen für den Wasserverband?

Die langfristige Absicherung der Wasserbereitstellung für die Mitgliedsgemeinden und deren Abnehmer sowie die Sicherung der Wasserqualität. Der Wasserverband ist für die Wasserbereitstellung an den Übergabestellen zuständig und investiert in den kommenden Jahren viel in ein neues Wasserwerk und den Anschluss neuer Brunnen, damit das Trinkwasser auch für Jahrzehnte gesichert ist.

Welche Maßnahmen gibt es zur Blackout-Vorsorge?

Bei beiden Wasserwerken wurden Photovoltaikanlagen zur Eigenstromerzeugung errichtet und Aggregate in ausreichender Anzahl angeschafft. Die vorhandenen Wasserspeicher reichen aus, um die Versorgung für einige Tage vollkommen normal weiter zu betreiben. Für längere Ausfälle wurde ein für das Burgenland beispielhafter Notfallplan entwickelt – bis hin zu Notschlafstellen im Wasserwerk. Der Wasserverband Unteres Lafnitztal ist für den Blackout-Fall gerüstet.

Video